Aktualisiert am 19. Juli 2026.
Stablecoin Regeln werden zu einem transatlantischen Projekt. Die USA und Grossbritannien veröffentlichten am 14. Juli eine gemeinsame Position zu kompatiblen Ansätzen bei Reserven, Rückzahlung, Bankzugang und grenzüberschreitender Nutzung.
Die Erklärung schafft weder eine gemeinsame Lizenz noch automatisch britischen Marktzugang für einen US-Coin. Sie gibt jedoch die politische Richtung vor: Regulierte Stablecoins sollen Zahlungen, Wertpapier- und Rohstoffabwicklung sowie tokenisierte Märkte unterstützen, ohne Kapital und Reserven in jedem Land unnötig zu duplizieren.
Stablecoin Regeln und zehn gemeinsame Prinzipien
HM Treasury und die US-Regierung betrachten Stablecoins als mögliche Infrastruktur für privates digitales Geld. Wettbewerb und Innovation sollen gefördert werden, während Finanzstabilität, Verbraucherschutz und Vertrauen in Geld erhalten bleiben.
Das konkreteste Prinzip betrifft die Deckung. Ein als Geld angebotener Stablecoin soll mindestens eins zu eins durch hochwertige liquide Vermögenswerte gedeckt sein. Reserven sollen vom eigenen Vermögen des Emittenten getrennt, für Inhaber geschützt und mit transparenten Rückzahlungsregeln verbunden werden.
| Bereich | Gemeinsame Richtung | Noch offen |
|---|---|---|
| Reserven | Mindestens 1:1 liquide Deckung | Liste zulässiger Anlagen |
| Rückzahlung | Klare Fristen und Rechte | Verfahren jedes Emittenten |
| Insolvenz | Geschützter Anspruch auf Reserven | Koordination der Gerichte |
| Auslandszugang | Weg zwischen beiden Märkten | Anerkennung von Lizenzen |
| Nutzung | Zahlungen und tokenisierte Abwicklung | Grenzen für systemische Produkte |
Warum regulatorische Annäherung wichtig ist
Internationale Emittenten treffen heute auf unterschiedliche Anforderungen für Kapital, Verwahrung, Liquidität und Trennung. Eine vollständige lokale Reserve in jedem Land würde das Modell teuer und fragmentiert machen. Beide Regierungen wollen unverhältnismässige Doppelungen vermeiden, ohne den Schutz zu schwächen.
Besonders relevant ist das für grenzüberschreitende Zahlungen und Finanzmärkte. Die Erklärung unterstützt fairen, risikobasierten Bankzugang für rechtmässige regulierte Anbieter und Stablecoins als Abwicklungsinstrument für Wertpapiere und Rohstoffe.
Die Richtung ähnelt dem Schritt, mit dem USDC Mint und Redeem in die Bankinfrastruktur gelangten. Die Blockchain ist nur ein Baustein. Verwahrer, Reservequalität, Rechtsanspruch und Betriebskontinuität bleiben entscheidend.
Grossbritannien hat einen Zeitplan
Die Financial Conduct Authority hat einen wesentlichen Teil ihres Rahmens abgeschlossen. Handelsplätze, Vermittler, Verwahrer, Stablecoin-Emittenten und Anbieter von Staking-Diensten benötigen künftig eine FCA-Zulassung.
Anträge sind vom 30. September 2026 bis 28. Februar 2027 vorgesehen. Das verpflichtende Regime beginnt am 25. Oktober 2027. Bis dahin konzentriert sich die FCA-Aufsicht hauptsächlich auf Finanzwerbung und Geldwäschekontrollen.
Der Rahmen umfasst Kapital, Stresstests, Marktintegrität, Manipulation und Insiderhandel. Für Stablecoins gelten besondere Standards; FCA und Bank of England müssen die Behandlung systemisch eingestufter Emittenten noch abstimmen.
Was die Erklärung nicht löst
Eine Eins-zu-eins-Deckung beseitigt Risiken nicht. Entscheidend sind Zusammensetzung, Verwahrer, Liquidierbarkeit und die juristische Einheit, die eine Rückzahlung schuldet. Unser Beitrag zum Stablecoin Gegenparteirisiko zeigt, warum der Token nur das letzte Glied einer längeren Kette ist.
Auch Trennung braucht ein wirksames Insolvenzverfahren. Die Erklärung strebt einen klaren, geschützten und vorrangigen Anspruch der Inhaber an. Seine Umsetzung hängt jedoch von nationalem Recht und behördlicher Zusammenarbeit ab.
Annäherung bedeutet nicht identische Systeme. Beide Staaten behalten eigene Aufseher, Lizenzen und Definitionen. Der gegenseitige Marktzugang muss erst gestaltet werden und dürfte nur Emittenten mit vergleichbaren Standards offenstehen.
Für Emittenten bleibt zudem die Verbindung zwischen Technik und Aufsicht anspruchsvoll. Öffentliche Blockchains arbeiten durchgehend und grenzüberschreitend, während Behörden verlässliche Bücher, Sanktionskontrollen und betriebliche Wiederherstellung verlangen. Die Erklärung unterstützt Innovation, hebt diese Pflichten aber nicht auf.
Auch die Definition hochwertiger liquider Anlagen wird entscheidend. Kurz laufende Staatspapiere können stabil wirken, unterliegen aber Markt-, Zins- und Abwicklungsrisiken. Bargeld bei einer Bank schafft wiederum ein Gegenparteirisiko. Relevant ist daher nicht nur die Deckungsquote, sondern auch die Verfügbarkeit der Reserve in einer Stressphase.
Für Banken und Zahlungsanbieter könnte die Annäherung Integrationen erleichtern. Sie benötigen dennoch klare Verantwortlichkeiten für Geldwäschekontrollen, Wallet-Screening, Rückbuchungen und Fehltransaktionen. Ein schnelleres Settlement löst Streitfälle zwischen Emittent, Plattform und Nutzer nicht automatisch.
Was Nutzer prüfen sollten
Für Nutzer helfen Stablecoin Regeln nur, wenn sie überprüfbare Informationen schaffen: Rechtsraum des Emittenten, Reservestruktur, Berichtsfrequenz, direktes Rückzahlungsrecht, Gebühren, Fristen und Behandlung bei einem Ausfall.
Eine technische Momentaufnahme ist nicht das gesamte Rechtsbild. Eine Proof of reserves kann ausgewählte Anlagen zeigen, beweist aber nicht automatisch Verbindlichkeiten, Trennung und Rechte der Inhaber.
Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen direktem Rückzahlungsrecht und Verkauf am Sekundärmarkt. Kann nur ein institutioneller Kunde beim Emittenten einlösen, bleibt ein privater Nutzer auf die Liquidität seiner Börse angewiesen. In einer Stressphase können diese Preise auseinanderlaufen.
Die Erklärung vom 14. Juli ist wichtig, weil sie die Diskussion auf die Integration in etablierte Märkte verlagert. Erst die Ausführungsregeln entscheiden: Reservequalität, Rückzahlung und Insolvenzbehandlung zeigen, ob die Konvergenz funktionierende Infrastruktur oder Finanzdiplomatie bleibt.
