Stand: 4. November 2026.
Equity Perps, unbefristete Futures auf einzelne Aktien, erreichen in den USA einen neuen regulatorischen Meilenstein. CFTC-Präsident Michael Selig erklärte am 3. November, die Kontrakte könnten an zugelassenen Handelsplätzen erstmals gehandelt werden; Cboe teilte am selben Tag mit, sich einer Klage gegen den gewählten Weg angeschlossen zu haben.
Für Leser ist die Trennung zwischen regulatorischer Erklärung und tatsächlichem Zugang entscheidend. Die Mitteilung belegt nicht, dass ein bestimmter Kontrakt im eigenen Depot verfügbar ist, und ein Engagement im Aktienkurs macht den Inhaber eines Derivats nicht zum Aktionär.
Equity Perps: Was die CFTC erklärt
In seiner Erklärung vom 3. November ordnet Selig die Kontrakte als gemäß Regulation 40.3 genehmigte Security Futures ein. Eine Fußnote beschränkt die betreffenden Handelsplätze auf bei der CFTC registrierte Designated Contract Markets, die zusätzlich über eine Notice Registration bei der SEC für Security Futures verfügen.
Das ist keine pauschale Erlaubnis für sämtliche Kryptobörsen. Nach der dargestellten Position gelten der Commodity Exchange Act, die US-Bundeswertpapiergesetze und die regulatorischen Rahmen beider Behörden.
Die Erklärung nennt weder eine Liste zugrunde liegender Aktien noch einen einheitlichen Hebel oder einen Handelsbeginn für jeden Broker. Solche Angaben gehören in die konkreten Kontraktspezifikationen und Mitteilungen des Handelsplatzes; sie lassen sich nicht aus einer Schlagzeile ableiten.
Warum Cboe den Weg angreift
Laut der Mitteilung vom 3. November beteiligt sich Cboe an der Klage der Capital Markets Alliance, zu der auch Citadel Securities und Healthy Markets Association gehören. Sie richtet sich gegen die CFTC-Genehmigung unbefristeter Derivate auf US-Aktien und ETFs.
Die Gruppe argumentiert, dadurch würden Schutzvorschriften für Wertpapiermärkte umgangen. Das ist die Position einer beteiligten Partei, keine gerichtliche Feststellung; umgekehrt beseitigt die Darstellung der CFTC den rechtlichen Streit nicht.
Cboe spricht außerdem von einem Antrag auf gerichtlichen Eilrechtsschutz. Aus der Pressemitteilung folgt weder, dass ein Gericht diesem stattgegeben hat, noch dass der Handel bereits ausgesetzt oder der Umgang mit bestehenden Aufträgen festgelegt wurde.
Ein Derivat ist nicht die Aktie selbst
Ein Perpetual ermöglicht ein Engagement in der Kursentwicklung ohne den üblichen festen Verfallstermin eines Futures. Marginanforderungen, laufende Zahlungen, Schließungsregeln und Liquidationen bleiben relevant: Unbefristet beschreibt den Kontrakt und garantiert keine unbegrenzte Haltedauer.
Stimmrechte, Aktieneigentum und ein unmittelbarer Dividendenanspruch dürfen nicht automatisch unterstellt werden. Anpassungen für Dividenden oder Kapitalmaßnahmen hängen vom jeweiligen Regelwerk ab; ein vertraglicher Barausgleich ist rechtlich nicht dasselbe wie eine Dividende an Aktionäre.
Auch Tokenisierung oder die Verwahrung von Aktien auf einer Blockchain ergeben sich nicht allein aus der Bezeichnung Equity Perps. Ein Derivat, eine über einen Wertpapierintermediär gehaltene Aktie und ein Token mit bestimmten Ansprüchen verlangen unterschiedliche rechtliche und operative Prüfungen.
Funding und Margin sind vertragsspezifisch
Erfahrungen mit Krypto-Perpetuals lassen sich nicht unverändert auf einen anderen Anbieter übertragen. Fundingintervalle, Referenzpreismethode und Marginschwellen müssen in den tatsächlichen Spezifikationen nachgelesen werden. Einen einheitlichen Fundingsatz für diese gesamte Produktgruppe gibt es nicht.
Unser Ratgeber zur Funding Rate bei Krypto-Perpetuals trennt laufende Zahlungen von Kursgewinnen und Kursverlusten. Spreads, Gebühren und Finanzierung können das Nettoergebnis verändern, selbst wenn sich der Basiswert in die erwartete Richtung bewegt.
Ein fehlender Verfallstermin beseitigt diese Kosten nicht. Ebenso wenig schützt regulatorische Aufsicht vor Marktverlusten, Ausführungsrisiken oder den Folgen einer Unterschreitung der vorgeschriebenen Erhaltungsmargin.
Wenn der Aktienmarkt geschlossen ist
Wird ein Derivat gehandelt, während der Hauptmarkt der Aktie geschlossen ist, herrschen nicht automatisch dieselben Liquiditätsbedingungen. Aufträge können neue Erwartungen abbilden, ohne dass gleichzeitig entsprechende Transaktionen in der zugrunde liegenden Aktie möglich sind.
Ein Perpetual-Kurs ist dann nicht einfach ein ausführbarer Aktienkurs. Der Beitrag über Aktienhandel außerhalb der regulären Börsenzeiten erläutert, warum Handelszeiten, verfügbare Market Maker und Orderbuchtiefe getrennt beurteilt werden müssen.
Auch die konkreten Handelszeiten dürfen nicht aus dem Produktnamen abgeleitet werden. Zu prüfen sind Handelskalender, Referenzmarkt und Regeln bei Unterbrechungen, insbesondere bei außergewöhnlichen Ereignissen und zeitweilig fehlenden Kursen des Basiswerts.
Welche Fragen SIFMA aufwirft
Ein SIFMA-Schreiben vom 2. November verlangt zusätzliche Prüfung und öffentliche Stellungnahmen vor dem Start. Es nennt mögliche Folgen für die zugrunde liegenden Aktienmärkte, marktübergreifende Überwachung und Manipulation, umsatzarme Handelsphasen sowie die Produkteinordnung.
Diese Bedenken liefern Prüffragen, aber keinen Nachweis, dass jeder Kontrakt die befürchteten Schäden verursachen wird. Entscheidend bleiben Preisbildung, Clearing, Kontrollen und endgültige Regeln des jeweiligen Angebots.
| Punkt | Gesicherte Aussage und Grenze |
|---|---|
| CFTC-Schritt | Selig beschreibt einen Weg für Security Futures an geeigneten Börsen, nicht an jeder Plattform. |
| Cboe-Klage | Klage und Eilantrag sind angekündigt; die Mitteilung belegt keine gerichtliche Entscheidung. |
| Produktzugang | Hängt von Handelsplatz, Vermittler, Wohnsitz und Konto ab. |
| Rechte und Kosten | Derivat und Aktie sind verschieden; Funding, Margin und Anpassungen richten sich nach dem Vertrag. |
Welche Unterlagen als Nächstes zählen
Bei Equity Perps müssen jetzt drei Dokumentgruppen getrennt verfolgt werden: mögliche gerichtliche Beschlüsse, endgültige Börsenspezifikationen und Zugangsvoraussetzungen des Brokers. Eine allgemeine Ankündigung zur Marktöffnung ersetzt keine dieser Unterlagen.
Eine brauchbare Produktinformation muss deshalb mehrere Fragen beantworten: Welches Unternehmen führt das Konto, welcher Handelsplatz listet den Kontrakt und welche Bedingungen gelten bei einer Unterbrechung? Fehlen diese Angaben, lässt sich das Angebot nicht allein anhand seines Namens zuverlässig beurteilen.
Für Personen außerhalb der USA belegt dieser Schritt weder lokale Verfügbarkeit noch persönliche Eignung. Der Beitrag beschreibt eine umstrittene Entwicklung der Marktstruktur, empfiehlt aber keine Transaktion und bestätigt nicht die Sicherheit eines Anbieters.
